AW: "Optimales Kraftniveau"
Mit "G" ist in diesem Fall das Körpergewicht gemeint. "G-Angaben" sind in solchen Zusamenhängen relativ gängig weil sie a) für jeden leichter nachvollziehbar sind und b) eine Relativierung auf das Körpergewicht implizieren, welche in nicht wenigen Bereichen relevanter als die reine Absolut-Kraft ist.
Wir gehen auf dem Messplatz genauso vor. Beispiel:
Anstelle von XY Newton kennzeichnen wir die Bereiche für eine anforderungsgemäße Stemmbeinarbeit in der als Sofort-Information ausgegebenen grafischen Darstellung der dynamometrischen Aufzeichnungen mit G-Bereichen.
Bringt der Athlet also sein einfaches Körpergewicht ("Ein-G") auf die Platte, steht er im Prinzip nur auf dem Stemmbein ohne aktiven Druck aufzubauen. Wenn ich ihm nun sage, dass er durch eine aktivere Stemmbeinarbeit auf mind. zweifaches Körpergewicht kommen muss, so ist das für ihn nachvollziehbar und stellt gleichzeitig ein Ziel dar (nämlich den entsprechenden Kurvenverlauf auf 2-G-Niveau erhöhen. Athleten sind in diesem Zusammenhang wie kleine Kinder und brauchen irgendwie was greifbares

).
Wenn ich was von XY Newton faseln würde, würden mind. 90% abschalten...
Ob die Anforderungsprofile Im RTP Sprint zeitgemäß bzw. richtig sind sei mal dahingestellt. Ist aufgrund der hohen Abhängigkeit der Sprintleistung von der Hochgeschwindigkeitsphase (welche eben gar nicht mehr so Kraftabhängig ist) sicher auch durchaus möglich das in dem ein oder anderen Parameter deutliche Abweichungen vorliegen. Eine beim Abitur gelaufene 11,3 s über 100 Meter würde ich auch nicht unbedingt als ausreichende Widerlegung dieser Profile ansehen. Da wird bei nem guten oder schlechten Stopper (je nach dem aus welcher Sicht

) schnell mal ne 11,5 - 11,6 draus und wenn man weiß das auf handgestoppte Zeiten mind. 0,24 s draufgepackt werden müssen um ne Zeit zu erhalten, die einigermaßen mit einer elektronischen vergleichbar ist, relativiert sich das Ganze noch mehr...(soll jetzt kein persönlicher Angriff sein).
Fakt ist jedoch das im Wurfbereich ähnliche Anforderungsprofile bestehen und diese mit nur geringen Abweichungen von den Spitzenathleten erfüllt werden.
Oder anders gesagt: Während bis zu einer gewissen Leistungsstärke durch die überbetonte Ausprägung einer Fähigkeit die Unterentwicklung einer anderen Fähigkeit kompensiert werden kann, ist im Spitzenbereich fast nur noch etwas mit einer ausgeglichenen Entwicklung aller für die jeweilige Leistung entscheidenden Fähigkeiten zu holen.
Ist eigentlich auch klar, denn diese Profile hat sich ja niemand ausgedacht sondern sind das Ergebnis empirischer Untersuchungen und somit nichts anderes als eine Zerlegung der komplexen Wettkampfleistung in die nötigen "Grundfähigkeiten". Quasi eine Abbildung der Wettkampfleistung auf unterster Ebene, dass Auskunft über das grundlegende Zustandekommen dieser gibt. Und zwar vom Anfänger- bis in den Spitzenbereich.
Da sich hier natürlich statistischer Werkzeuge wie Mittelwertsvergleiche, Regressionsanalysen, etc. bedient wurde ist natürlich auch klar dass es individuelle Abweichungen geben kann. So ist das aber immer, Modelle und Gesetzmäßigkeiten bedienen die "breite Masse" (Grundgesamtheit).
Aber im Prinzip sind wir hier auch wieder bei dem optimalen Kraftniveau. Eine Überbetonung des Kraftbereiches bringt zumindest in Sportarten die neben der Kraft noch in hohem Maße von Schnelligkeit,Technik/Koordination und/oder Beweglichkeit (psychische, taktische, etc. Fähigkeiten lass ich mal raus) abhängig sind nur bedingt, i.d.R. bis max. zum nationalen Leistungsniveau, etwas.
Nun kann aber natürlich nicht jeder in den absoluten Spitzenbereich vordringen, von Haus aus schon nicht. Und da man im niedrigeren Leistungsbereich sehr viel über die Kraftschiene erreichen kann, stimme ich Kecks zumindest für diesen Bereich zu wenn sie sagt das die meisten Sportler nicht genug Kraft haben können. Ganz einfach weil sie so andere Defizite ausgleichen und kaschieren. Dann macht das Ganze sogar sehr viel sinn.
Allerdings liegt hier genau die Gefahr für den Nachwuchsbereich. Denn hier funktioniert das Kraftbolzen auch wunderbar. Leider in 99% der Fälle nur kurzfristig.
Langfristig gesehen sind dann dadurch vernachlässigte/in ihrer Entwicklung behinderte Faktoren - meist Koordination und Schnelligkeit - Grund dafür, dass nicht in den Spitzenbereich vorgedrungen werden kann.
So haben wir in D sicher KEINEN Kugelstoßer der aufgrund eines expliziten Kraftproblems nicht in die Weltspitze bzw. in den Kreis der 20 m Stoßer vordringt. Vielmehr sind es eklatante technische Defizite, um genau zu sein Defizite in der Beinarbeit die auf mangelnde Schnellgkeits- und Reaktivkraftfähigkeiten zurückzuführen sind (ist nachgewiesen), die begrenzend wirken.
Und aus diesem Grund bin ich immer sehr sehr skeptisch wenn im Nachwuchsbereich das KT eine schon sehr große Rolle spielt. Denn in der Regel stehen die anderen Traingsinhalte in keinem adäquaten Verhältnis und verkümmern zugunsten einer überbetonten Kraftfähigkeit (zeigt sich immer wieder bei Diagnostiken). Und das führt zu den genannten Problemen, die Verletzungsproblematik will ich hier gar nicht ansprechen.
Im übrigen würde ich meine zweifelsohne subjektive Individualsport-/LA-Sicht in ähnlicher Form auch auf andere Sportarten, auch auf die Sportspiele, übertagen. Auch wenn bei letzteren häufig das Problem darin besteht, dass noch überhaupt kein KT gemacht wird...